Unser Dorfleben ist ein vielfältiges Miteinander von Vereinen, wie: Schützenverein, Oberwälder Musikanten, Sportverein, Traktorenclub, Dackelclub usw.; Gruppierungen, wie: Feuerwehr, Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat, Seniorenbetreuern, Chöre, Joga- oder Zumbagruppe, verwurzelt im christlichen Glauben!

Immer wieder finden gesellige Feiern z.B.: Schützen-, Sport-, Pfarr- oder Dorffeste statt.
Chorkonzerte, Adventsfeiern, Liederabende, Sportveranstaltungen etc. bereichern das Dorfleben in loser Folge.

Auszug aus der Chronik von Clemens Bremer, 1904

Prädikate ( Privatansicht ): Die Einwohnerschaft ist mit geringer Einschränkung durchweg fleißig, nüchtern und sparsam. Letzteres jedoch bedarf der Einschränkung dahin, daß im Kleideraufwand überhaupt, namentlich aber von der weiblichen Bevölkerung bis zur Magd, Tagelöhnerfrau und Töchter, sowie mit den Kindern, Überschwänglichkeit herrscht. Eine simple Magd oder ein nasequellendes Tagelöhnermädchen am Werktag mit Bänderhut und Handmuff zur Kirche trippeln sehen, ist nicht neu. Und erst an Sonntagen! Die allerdämlichsten Jüngelchen tuns nicht mehr ohne Handmanschetten und anderes. Ferner machen sich in neuerer Zeit leider auch vermehrte Anzeichen wahrnehmbar, wonach in den wenigst bemittelten Klassen neben übertriebenen Kleideraufwand auch in der Lebensweise die unerläßlichen Gebote der Genügsamkeit und Einfachheit verlassen, dagegen ein luxuriöses Wohlleben bis zur Unhaltbarkeit eingeführt wird, wie es früher bei allen und auch heute noch bei vielen Vermögenden bekannt ist.
Vermögensverhältnisse: Es herrscht ein erfreulicher Wohlstand der besonders in den unteren Schichten gegen früher stark und wohltuend absticht. Um so abstoßender wirkt es, daß dieser befriedigende Zustand durch das, im Vorabschnitt Gesagte mutwillig in ernste Gefahr kommt.

Lebenshaltung: Mit Ausnahme des kirchlich verbotenen Freitags erhalten die Arbeiter täglich eimmal - an Sonn- und Feiertagen zweimal Fleisch; in der Zeit vermehrter Arbeit, also im Sommer zum Nachmittagskaffee Gelee und Butter. An Wochentagen werden Kartoffel und Gemüse etc. meist durcheinander gekocht. Es werden nur Schweine geschlachtet. Obwohl alle ohne Ausnahme reichlich zu schlachten pflegen, wird im Nachsommer und Herbst noch viel Metzgerfleisch und Wurst hinzugenommen von denen, die wegen ungenügender Einteilung zu früh auf die Neige gelangen.

Eine sparsame Lebensweise beginnt als schimpflich behandelt und empfunden zu werden, wogegen es sich als rühmlich auswächst, tüchtig was draufgehen zu lassen.

Das im letzten Satz Ausgesprochene beginnt jetzt in der jüngeren Generation aufzusprossen. Die Mägdlein trinken keinen Branntwein. Die männliche Arbeiterschaft ist bereit diesen Ausfall auszugleichen, indem sie gern möglichst viel trinkt.
In 3 Wirtshäuser ist Tagesverkehr ungefähr völlig ausgeschlossen. Abends und sonntags mäßiger Verkehr, etwas Kartenspiel um mäßigen Einsatz ohne mitternächtige Ausdehnung.
Außer einem hergebrachten Schützenfeste findet meist noch einmal im Jahre eine öffentliche Tanzbelustigung statt.

Es wird fast nur Bier getrunken. Gewöhnlich werden abends 2 Glas, zuweilen auch 2 1/2 bis 3 Glas a 10 Pfennig getrunken. Über die gegenwärtigen Trinksitten bin ich aber nicht mehr unterrichtet. Durch Fuhrwerke wird Flaschenbier in die Häuser geliefert und soll der Absatz bis vielfach in ganz kleine Häuser recht erheblich sein. Schreiber dieses leistet sich täglich eine Flasche von 1/2 Liter für 12 1/2 Pfennig, welche aber in den Wintermonaten entfällt. Bei völliger Aufgabe des Wirtshausbesuchs verursachte das im Jahr eine jährliche Ausgabe von 36 - 37 Mark.  Hier sind neben andern auch gleichgestellte Männer, die in Trinkleistungen erheblich schwächer eingeschätzt werden müssen.
Gegen die städtische Durchschnittsbevölkerung stehen wir in Gaumen- und Vergnügungsgenüssen allesamt als blasse Waisenknaben. Nur in Schaffensleistungen gönnt man uns den Vorrang. Wenngleich die Trinksucht schwerlich jemals völlig schwinden wird, so wurde ein öffentlich Betrunkener hier seit Jahren nicht gesehen. Über einen etwaigen Gelegenheitsrausch geht mir jedoch die Kenntnis ab.

Früher wurde nur Branntwein getrunken. Regel war abends 2 Schnäpse a 3, später a 4 Pfennig. Einzelne tranken nur einen. Dazu schmökten sie ihr Pfeifchen und tauschten Wissen und Meinung aus über neue und alte Vorkommnisse und Erlebnisse der Umgebung und des Universums. Auch bei besserer Situation in der sich fast alle Mitglieder der kleinen Schar Wirtshausbesucher befanden, empfanden einige zuweilen einen Anfluch von Gewissensskrupeln. Diesem gab ein wohlhabender Großbauer einmal dem Schreiber dieses gegenüber auf dem abendlichen Heimweg folgenden Ausdruck: " Ja man nimmt die Sache so leicht, und doch - wenn man zu 2 Abenden einen Pfennig zulegt, ist es schon ein Kleinenberger Besen". Dieser kostete damals 7 Pfennig und der Sprecher kam über einen Schnaps a 3 Pfenng abends niemals hinaus. Zu seiner Entschuldigung darf nicht unausgesprochen bleiben, daß er zu der Mehrzahl rechnete, die nicht allabendliche Wirtshausgäste waren.

Einmal jagte der animierte heimkehrende Wirt mit schimpflichen Worten einen bemittelten Juden zur Tür heraus, weil dieser die Gewohnheit übte, gar nichts zu verzehren. Der gemaßregelte mochte sofort ahnen, daß das für ihn ein schlechter Abschluß sei. Kehrte also kurzentschlossen vor der Tür um und forderte beim erneuten Eintritt von dem Gestrengen "1 Schnäpschen". Sofort war die Harmonie völlig wieder hergestellt, kein Wort erinnerte noch an die vorausgegangene Szene. Ein anderer Standesgenosse, der dürftig, aber redegewandt war, wurde freundlich geduldet, ohne daß er etwas verzehrte.

Eine Bauerntochter gab der Nachbarin über ihr welkes Aussehen folgende Erklärung:

Das bißchen Schweineschmalz mußte diesen Frühjahr der erkrankten Kuh eingegeben werden. Die Bläß war güste geworden. Nur gut, daß sie gerettet wurde, aber kein Krümchen Butter konnte diesjährig gemacht werden. Die Schlachtschweine waren heuer etwas schlecht geblieben, daher reichte das Fleisch nur zum Fetten des Kochtopfes und zu einem Sonntagshäppchen. Somit mußte bei der ganzen sommerlichen Feld- und Erntearbeit stets trockenes Brot gekauet werden. Der Vater, der zuweilen murrte, mußte sich beschwichtigen lassen mit dem Vorhalt, daß er einen "hellen Drüppen" zugoß, während die Tochter auf "en bitten Spigge" zur Anfeuchtung beschränkt war.
Nun kaue mal einer den ganzen Sommer immer trocken Brot, dann werden die Kinnbacken müde, die Kehle rauh und lahm und es ist kein Wunder, welk und blaß zu werden.
Kommt Bläß nächsten Frühjahr wieder zu Milch für einige Butter, glänzt auch einiges Schweineschmalz im Grüppen, und gibt es dazu hin und wieder noch ein Krömmele Fleisch, so wird hoffentlich einige Glättung und Farbe wiederkehren. Diese Hoffnung fand Erfüllung, die nächste Frühlingssonne beschien wieder rund, rosenfarbene Bäcklein.

Solche Sparsamkeit war damals geboten, wenn die Habe zusammen bleiben sollte. - Mit gutem Gewissen darf man sagen, daß auf besagter Stelle jetzt Wohlhabenheit vollauf herrscht und eine ähnliche Einschränkung nicht mehr gut denkbar scheint.

Bei heutigem nächtlichen Gang von einem Ort zum andern hat man harten und gleichmäßigen Weg unter den Füßen, Baumreihen seitwärts, passiert keine Hecken und Gebüsch und kann auch bei großer Dunkelheit im sichern Gleichschritt marschieren. Damals waren die Wege ungleichmäßig, schlecht, wegen fehlender Steinlage dunkel, hie und da tief eingeschnitten und führten häufig an Gebüsch und Hecken vorbei. Im nächtlichen Dunkel mußten Gebüsch und Hecken nicht wenig unheimlich wirken. In ihren täuschenden Formen und Umrissen waren sie geeignet, in der aufgeregten Phantasie in Anlehnung an vernommene Erzählungen die verschiedensten Bilder und Gestalten hervorzurufen und anzunehmen.

Somit waren Erzählungen von Gespenstern, Wehrwölfen, Meister Hänschen, die vielfach gesehen waren, an der Tagesordnung. Meister Hänschen zog nachts mit glühendem Schweife von Heubaumslänge durch die Lüfte, stahl seinen Feinden Wertgegenstände bis zu ausgemachten Kartoffeln und trug das Gestohlene seinen Freunden zu, durch deren Dach man ihn deutlich fahren sah. Verschiedene Heckengegenden waren stark verrufen als besondere Stellen für unheimliche Erscheinungen. Wehrwölfe holten unter anderm Schafe aus den Hürden und Ställen und fraßen sie auf einmal auf. Gelang es, einen Stahlgegenstand z.B. ein Taschenmesser über einen Wehrwolf zu werfen, so stand nun der Mensch da, der sich in einen Wehrwolf verwandelt hatte, um einen großen Raubschmauß zu halten.

Nachdem die Figuration geändert und der nächtliche Aufenthalt im Freien beschränkt worden, sind Wehrwölfe, Gespenster, Meister Hänschen völlig außer Kurs gekommen, nachdem sie vorher die Gemüter lange und lebhaft erregt hatten