Unser Kirchengebäude wurde 21. Juli 1902 nach mehrjähriger Bauzeit eingeweiht! Nötig war der Neubau, weil die bisherige Kirche aus dem 17.Jahrhundert baufällig war und auch zu klein wurde (siehe Foto weiter unten).

Im Neugotisches Stil errichtete man, nach Vorbild der Kirche in Schwaney, ein dreiflügeliges Kirchenschiff aus Liebenauer Kalkstein. Der Kirchturm weist in der oberen Hälfte eine Achteckige Form auf und endet in einer spitzen Dachkonstruktion, belegt mit Kupferblech (der Fingerzeig Gottes). Obenauf grüßt stolz der Wetterhahn und zeigt immerwährend die Windrichtung (bei uns weiß man immer, woher der Wind weht!). Das übrige Dach ist mit Schieferplatten belegt.

Vier Glocken läuten zum Gebet und rufen die Gläubigen zum Gottesdienst.

Der umlaufende Weg war früher komplett mit Tudorfer Pflaster belegt, heute findet man es nur noch auf dem Kirchenvorplatz!
Weit ragt der über 50 Meter hohe Turm in die Umgebung und die Kirche ist somit (wen wundert es) das markanteste Gebäude des Dorfes!

Aus allen vier Himmelsrichtungen ist die Kirchenuhr mit ihrem weißem Zifferblatt und den schwarzen Zeigern deutlich zu sehen. Das Uhrwerk stammt aus dem Jahre 1902 und steht, wie das gesamte Gebäude, unter Denkmalschutz!

Mit ca. 400 Sitzplätzen (wenn man etwas zusammenrückt), einer Innenlänge von ca. ... Metern und einer Gewölbehöhe von ca. ... Metern, wird unsere Kirche von manchen auch Bördekathedrale genannt.

Reichten früher Sitz- und Stehplätze oft nicht aus, ist der Gottesdienstbesuch heute eher dürftig und die Heizkosten für "die paar Leute" sind im Winter immer ein Thema!

Zur Zeit leben in Körbecke etwas mehr als 500 Katholiken! Die restlichen Bewohner sind evangelischen Glaubens, Neu Apostolisch oder atheistisch (ohne Glauben an einen Gott). Muslime gibt es im Moment nicht.
Alle Menschen, egal welcher Glaubensform, sind im Dorf sehr gut integriert!

 

Auszug aus der Chronik von Clemens Bremer, 1904

Alte Körbecker Kirche, gebaut um 1680, abgerissen in 1900


Zu unserm Kirchenbau
, den wir zu Ehre Gottes, zu unserm und unserer Nachkommen Seelenheil begonnen und dessen glückliche Vollendung wir dem Schutze des Allerhöchsten empfohlen hatten, war kein Baufonds vorhanden. Die Bausumme mußte angeliehen, verzinst und amortisiert werden.

Nachdem in den letzten 50 Jahren besserer Wohlhabenheit an die Stelle alter Häuser vielfach neue, größere und schönere Gebäude errichtet worden, auch ein ansehnliches Schulgebäude erstanden war, wurde es immer augenfälliger, daß unser kleines und unscheinbares Kirchlein inmitten besserer Umgebung und gestiegener Wohlhabenheit das Gotteshaus nicht mehr würdig repräsentiere. Durch den Neubau kam nun auch die Kirche zu ihrem Rechte.

Die Bauleitung hatte Architekt von Fisenne in Gelsenkirchen. Bauunternehmer war Meister Franz Sunder-Plaßmann zu Herzfeld a.d. Lippe, Bez. Münster. Platzpolier war Joseph Striewe aus Schwaney, der sich ein hiesiges Mädchen zur Frau erkor.

Arbeitslöhne am Kirchenbau.

Maurer erhielten einen Stundenlohn von 34 bis 35 Pfennig im ersten, 32 bis 34 Pfennig im zweiten Baujahre. Handlanger erhielten 2,40 Mk. pro Tag; Maurerlehrlinge 1,30 Mk. je Tag. Die Anfuhr von Baumaterial von Station Liebenau wurde je Zentner mit 10 Pfennig bezahlt. Die Maurer murreten und waren mit dem Lohn nicht zufrieden. Als der hiesige Unternehmer Joseph Dierkes in den Jahren 1850 und 51 das Rathaus in Borgentreich und s. Zt. die Dammbrücke vor Borgentreich, sowie die Eggelbrücken vor Lütgeneder ausführte, waren überflüssige Maurer hier noch nicht vorhanden. Nach den Angaben eines Teilnehmers dauerte die Arbeitszeit damals in der bessern Jahreszeit regelmäßig von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Nach Abrechnung einer zweistündigen Mittags und einer halbstündigen Frühstücks- und Vesper-Pause verblieben 12 Arbeitsstunden.
Der Gesellenlohn betrug damals 11 Silbergroschen, gleich 1,10 Mk. je Tag.

Unser Kirchenbau fand erfreulicherweise seine Vollendung ohne jeglichen Unfall.

Die Gesamtkosten einschl. der Platzerweiterung belaufen sich auf 112.000,- Mk. Hinzu kommen für notwendige innere Einrichtungen etwas über 10.000,- Mk. Weitere Inventaranschaffungen über die augenblickliche Notwendigkeit hinaus ca. 4.000,- Mk. Summe aller Aufwendungen abgerundet: 126.000,- Mk. Der auf die Gemeinde übernommene Kostenteil beziffert sich auf 117.000,- bis 118.000,- Mk. An freiwilligen Gaben ist beigesteuert: Von Einheimischen 5.600,- Mk. von Auswärtigen ca. 2.600,- Mk. zus. 8.200,- Mk.

 Nun ist ein Kirchenbau für eine Dorfgemeinde unleugbar das wichtigste Werk des Jahrhunderts. Deshalb ist es nicht nur geziemend, sondern unabweisbare Pflicht zunächst der geistlichen und weltlichen Vorstände, möglichst zuverlässige Selbstinformationen zu beschaffen, damit das kostspielige, für viele Jahrhunderte zu schaffende Werk den berechtigten Anforderungen entspreche. Unter den berechtigten Anforderungen steht die ausreichende Raumbeschaffung an erster Stelle als unerläßliche Aufgabe. Zuverlässige Information hierüber ist zu erlangen durch Messung, Berechnung und Vergleichung von Vorhandenem nebst entsprechenden Umfragen darüber. Die vielseitige Bekämpfung unserer gezeichneten Größe drängte geradezu nach dieser Information. Da genannte Pflicht indes unbeachtet blieb, glaubte Schreiber ds. sich ihr unterziehen zu sollen, um dem Gemeindewohl zu dienen und es nicht zur Tatsache werden zu lassen, daß das wichtigste Werk von Jahrhunderten aus der Gemeinde heraus nicht das notwendige und werktätige Interesse finde. Somit habe ich die Kirchen von Lütgeneder, Dössel, Hohenwepel, Daseburg, Westheim und Schwaney, die im abgelaufenen Jahrhundert erbaut waren und in denen ein einzelner Geistlicher amtiert, gemessen, ihre Größe auf die katholische Seelenzahl verrechnet und die örtliche Erfahrung und Meinung erfragt.
Bei allen Neubauten hat sich eine etwas reichliche Raumbefriedigung ohne Ausnahme stets und allein richtig erwiesen. Die Erfahrung lehrt, daß hinsichtlich des Größenbedürfnisses nur allzu häufig eine Unterschätzung herrscht. Das findet seinen Ausdruck in der späteren Klage, daß es hätte größer sein müssen, und in Nach- und Anbauten, die gegen eine ursprüngliche Ausdehnung weder zweckmäßig noch sparsam erscheinen. Eine gegenteilige Überschreitung dagegen zählt zu den großen Seltenheiten.
Zur Anbahnung einer Vergrößerung ist folgendes versucht worden: Schon vor dem Abschluß meiner Information machte ich dem Architekten gelegentlich mündlich den Vorschlag einer Erbreiterung um 2 Meter. Es lag nahe, daß eine Einzelanregung ohne jegliche Unterstützung eine Ablehnung erfahren werde. Dieses erfolgte denn auch in einer Weise, die den Eindruck der Unzugänglichkeit machte, womit jedes Hineinreden abgeschnitten werden sollte. Nach Vervollständigung meiner lnformation handelte es sich darum, wie sich unsere maßgebenden Personen dazu stellten. Sie sind ihnen vorgelegt worden mit folgendem Erfolge:
Auf einer Stelle wurde noch das Schreiben eines auswärtigen Pfarrherrn vorgelegt, mit dem ich über die Größenfrage im Schriftwechsel gestanden hatte. Dieser sprach in lebhaftem Interesse unter Hervorhebung spezieller Gesichtspunkte einer reichlichen Raumbefriedigung das Wort und betonte besonders, daß von der eigenen Pfarrkirche sicher niemand auch nur ein Quadratmeter würde missen wollen. Das alles wurde zwar zur Kenntnis genommen,aber nicht im geringsten darauf reagiert, vielmehr unter Hinweis auf die Zuverlässigkeit unseres Architekten unserm Projekt die unbedingte Sicherheit bezüglich der zweckgemäßen Größe zugesprochen. Auf zwei anderen Stellen fanden meine Vorlagen und Bemühungen gar kein Interesse.

Selbst das Zahlenmaterial wurde keiner Prüfung und Vergleichung unterzogen. Mit dem Trostspruche "groß genug wird sie ja!" war die Sache abgetan. Unsere maßgebenden und verantwortlichen Personen bemühten sich also nicht selbst um Informationen und verschlossen auch vor ihnen gebotenen die Augen.

Hinzu kommt noch folgendes:

  1. Der unzuverlässige Architekt hatte einmal sich schriftlich bereit erklärt , das Projekt um ein Pfeilerfeld zu verkürzen und die Gewölbejoche zu drücken, also kürzer und niedriger zu bauen. Der Fassung nach war das offenbar eine Antwort auf eine Mitteilung über die hiesige Größenbemängelung, welcher der Architekt sich also beugte. Ob die gedachte Mitteilung vielleicht einen Vorschlag auf Verkleinerung enthalten hatte, entzieht sich meinem Urteil, unmöglich ist es nicht. Als mir das besagte Schriftstück des Architekten zufällig zu Gesicht gekommen, machte ich seinem Verfasser ungesäumt ernste schriftliche Vorhaltungen über seine unberechtigte und unrühmliche Kapitulation vor unmündigen Kundgebungen, denen gegenüber er das Notwendige unverteidigt preisgebe.
  2. Nachdem uneigennützige Bemühungen im Interesse des Gemeinwohles sich nicht in der Richtung einer Verkleinerung bewegen wollten, bemühte man sich um ihre Ausschaltung. An rechtskundiger Stelle wurden Erkundigungen eingezogen, ob der Kirchenvorstand in der Sache mitzusprechen habe, während mit Mitteln der Gemeindekasse gebaut werde. Es wurde bejubelt, als diese Frage verneint wurde.
  3. Ein Bewohner hatte dem Bischöflichen Generalvikariat mitgeteilt, die hiesige Bevölkerung seufze unter schwerem Kummer, weil ein Kirchenbau über Bedürfnis ausgeführt werden solle.
  4. Das Bischöfliche Generalvikariat sandte einen Deligierten, der dem hiesigen Kirchenvorstande Vorstellungen dahin machen mußte, das Projekt überschreite unser Raumbedürfnis, stehe mit einer finanziellen Haushaltung nicht im Einklang und deshalb empfehle sich eine Einschränkung. Nachdem solcher Gestalt bundesgenossenschaftliche Angriffe auf die Größe des Projekts sich die Hände reichten und die hiesige Stimmung stärkten, wurde einem Vorschlage auf Vergrößerung die Diskussionsfähigkeit abgeschnitten.

    Möge der Bau seine Bestimmung zur Ehre Gottes und zum Heil unserer Seelen für uns und unsere Nachkommen stets erfüllen bis in die fernsten Zeiten. Das Glockengeläute erscholl vom neuen Turme zum erstenmal am 12. Dezember 1901. Der feierliche Einzug erfolgte am ersten Ostertage, den 30. März 1902 vor dem Hochamte.